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Arbeitshilfe: Zusammen handlungsfähig bleiben – Umgang mit eskalierten Fällen im Zusammenwirken von Jugendämtern, Trägern der freien Jugendhilfe, Kinder-/Jugend-Psychiatrien, jungen Menschen und Familien

18.08.2026 LJA

Kategorie: Veröffentlichungen

Schlagworte: Eingliederungshilfe · ASD

Vorschläge der Fokusgruppe in Westfalen-Lippe für die Zusammenarbeit, insbesondere für ein partizipatives, multiprofessionelles Fallverstehen

Diese Arbeitshilfe wurde im Rahmen der Fokusgruppe entwickelt, einem multidisziplinären Gremium aus Praxis und Verwaltung mit Vertretungen aus Jugendämtern, Kinder-Jugend-Psychiatrien, Trägern der freien Jugendhilfe, LWL-Dezernat für Krankenhäuser und Gesundheitswesen sowie LWL-Landesjugendamt.

Mockup Arbeitshilfe Umgang mit eskalierten Fällen

Als Ersatz für den Begriff ‚Systemsprenger‘ nutzt die Fokusgruppe ‚eskalierte Fälle‘. Diese Bezeichnung macht sprachlich darauf aufmerksam, dass es hierbei nicht um ein individuelles Phänomen geht. Die Dynamik entwickelt sich in Wechselwirkung zwischen jungen Menschen und ihrer sozialen Umwelt wie Schule, Jugendhilfe und Kinder-Jugend-Psychiatrie. Es handelt sich um Fälle mit jungen Menschen, die durch (massive) Selbst- und/oder Fremdgefährdung auffallen, und die immer neue Beziehungsabbrüche provozieren beziehungsweise erleiden. In der Folge müssen Fachkräfte mitunter 200 Einrichtungen kontaktieren, bevor eine Unterbringung oder eine individuelle Lösung vor Ort gefunden ist. Dieses Thema gewinnt in der Jugendhilfe und der (Kinder-/Jugend-)Psychiatrie stetig an Bedeutung.

Kernstück der Arbeitshilfe bietet Kapitel 7:

Zum konstruktiven Umgang mit eskalierten Fällen schlägt die Fokusgruppe vor, Zeit zu investieren: in systemübergreifende Netzwerke (Teil 1) und in tiefergehendes Fallverstehen (Teil 2).

  1. Hinsichtlich der Netzwerke wird ein Vorschlag aus der Forschung aufgegriffen und beispielhaft auf Westfalen-Lippe übertragen. Der Vorschlag sieht die Bildung von regionalen Fallverbünden beziehungsweise Kooperationsnetzwerken zur Unterstützung der Regelsysteme vor.
  2. Hinsichtlich des Fallverstehens in eskalierten Fällen (oder deren Vorbeugung) stellt die Arbeitshilfe einen Leitfaden zur Verfügung. Zentrale Elemente sind in diesem Rahmen folgende Vordrucke zum Ausfüllen:
  • Selbstdeutungen der jungen Menschen sowie deren Wünsche und Ziele
  • multiprofessionelle Fallkonferenz mit Hypothesen zum Fallverstehen. Dabei geht es zunächst darum, ein gemeinsames Verständnis für die psychosoziale Dynamik zu entwickeln. Daraus sollen Lösungsstrategien abgeleitet werden, die die betroffenen jungen Menschen annehmen und die dysfunktionale Spirale unterbrechen können. Junge Menschen und ihre Familien sollen dabei früh in den Prozess des Fallverstehens einbezogen werden.

Ziel ist, junge Menschen über passgenaue Unterstützung in ihrem sozialen Umfeld zu halten und damit stabile Beziehungen zu ermöglichen. Einerseits soll individuelles Leid von jungen Menschen und ihren Familien gemindert, bestenfalls abgewendet werden. Andererseits ist den enormen gesellschaftlichen Folgekosten entgegenzuwirken (monetär, aber auch hinsichtlich der Personalfluktuation).

Die Fokusgruppe möchte mit dieser Arbeitshilfe Bausteine zur Förderung der strukturellen Zusammenarbeit zwischen Jugendämtern, freien Trägern und Kinder-/Jugendpsychiatrie beitragen und in anstrengenden, oft angsteinflößenden eskalierten Fällen unterstützen.

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