Rückblick: Fachtag Adoption zum Thema „Adoption im Wandel der Zeit“
„Ich nehme vom heutigen Fachtag insbesondere mit, meine Gespräche mit dem adoptierten Menschen über seine Herkunft sorgfältig vorzubereiten und mir viel Zeit für mein Gegenüber zu nehmen“
Einmal pro Jahr richtet sich der Fachtag Adoption an die Fachkräfte der Adoptionsvermittlungsstellen in Westfalen Lippe und greift Themen und aktuelle Entwicklungen aus dem Arbeitsfeld auf. Gefolgt sind der Einladung zur Veranstaltung der zentralen Adoptionsstelle des LWL-Landesjugendamtes Westfalen etwa 70 Kolleginnen und Kollegen.
Thematisch lag der Schwerpunkt auf der „Adoption im Wandel der Zeit“ beginnend mit den historischen Entwicklungen ab den 1950er Jahren. Der Grund: Die Mitarbeiter:innen der Adoptionsdienste erhalten zunehmend Anfragen zur Herkunftssuche von adoptierten Menschen im gehobenen Erwachsenenalter. Auf dem Fachtag erhielten die Teilnehmenden damit die Möglichkeit, sich über historische Entwicklungen von gesetzlichen Grundlagen und gesellschaftlichen Einstellungen zum Thema „Adoption“ zu informieren und dadurch ein vertieftes Verständnis der Adoptionsprozesse der damaligen Zeit zu entwickeln.
Beleuchtet wurde das Thema wie immer aus unterschiedlichen Perspektiven. Frau Prof. Dr. Hitzer von der Otto von Guericke Universität in Magdeburg legte als Historikerin den Fokus auf die Geschichte der Adoption von der Nachkriegszeit bis in die 90er Jahre. In Ihrem Vortrag stellte sie die Entwicklung vom „Verbergen hin zur Offenheit“ im Umgang mit dem Adoptionsthema anhand von Bildern, Zitaten und historischen Dokumenten dar. Die juristische Expertise im Kontext der Veränderungen der gesetzlichen Grundlagen im Adoptionsrecht konnte Herr Dr. Kemper als Mitherausgeber des Nomos Handkommentars „Adoptionsrecht“ einfließen lassen. Frau Dr. Karin Issberner stellte anhand ihrer eigenen Adoptionsgeschichte bedeutsame Aspekte der Herkunftssuche und einer guten fachlichen Begleitung vor.
Am Nachmittag bestand für die Teilnehmenden die Möglichkeit, die Inhalte aus den Vorträgen in Workshops zu vertiefen. Frau Dr. Türkyilmaz und Frau Kaußen aus dem Forschungsteam für das Projekt „Elternschaft im Adoptionsprozess (EliA)“ ergänzten das Workshop Angebot durch einen Blick auf die Eignungskriterien von Adoptivbewerber:innen „im Wandel der Zeit“. Erarbeitet wurden diese Eignungskriterien anhand der Empfehlungen zur Adoptionsvermittlung, in denen die Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter den Fachkräften von 1983 bis heute wichtiges Handwerkzeug für ihre Arbeit zur Verfügung stellt.
„Ich nehme vom heutigen Fachtag insbesondere mit, meine Gespräche mit dem adoptierten Menschen über seine Herkunft sorgfältig vorzubereiten und mir viel Zeit für mein Gegenüber zu nehmen“, so die Rückmeldung einer Teilnehmerin.