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Studie Neustart OKJA NRW – zweiter Zwischenbericht erschienen

13.06.2022 Jugendhilfe-aktuell

Studie Neustart OKJA NRW

Die Studie „Neustart der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in der Corona-Zeit“ beobachtet seit zwei Jahren die Praxis der Offenen Kinder- und Jugendarbeit hinsichtlich der Anforderungen in der Corona-Pandemie. Nun steht ein zweiter Zwischenbericht zur Verfügung.

Die Schließung, Neu-Öffnung in eingeschränktem Betrieb und erneute Reduzierung von offenen Angeboten im Präsenz-Betrieb stellte die Offene Kinder- und Jugendarbeit ab März 2020 vor enorme konzeptionelle Herausforderungen und notwendige Veränderungen und Anpassung ihrer Arbeitsweisen. Sie musste und muss weiterhin "neu-" starten und "durch-" starten.  Gefördert vom Jugendministerium und in Kooperation der beiden Landesjugendämter in Nordrhein-Westfalen führt das LVR Landesjugendamt Rheinland mit Prof. Dr. Ulrich Deinet (Hochschule Düsseldorf) und Prof. Dr. Benedikt Sturzenhecker (Universität Hamburg) eine Studie zur OKJA nach dem Corona-Shutdown durch.

Das Forschungsteam dokumentiert auf der Basis qualitativer und quantitativer Erhebungen die Veränderungen und neuen konzeptionellen Antworten der OKJA. Als Ergebnisse sind Reflexionsschemata zur konzeptionellen Weiterentwicklung und Empfehlungen für die OKJA entstanden. Detaillierte Kurzportraits und Erkenntnisse zur Partizipation, Selbstorganisation und digitalen Kommunikation ergänzen die bisherigen Ergebnisse. 

Bereits die ersten Erkenntnisse aus 2021 haben Fachkräften der OKJA in öffentlicher und freier Trägerschaft wertvolle konzeptionelle Reflexionsanregungen für ihre Arbeitsprozesse geliefert.

Im Mittelpunkt dieser zweiten Veröffentlichung stehen die Erkenntnisse einer landesweiten, quantitativen Befragung von über 600 Einrichtungen der OKJA. Fachkräfte berichten beispielweise über die Einschränkungen des „typischen Jugend-Lebens“ und wie intensiv sie Langeweile, fehlenden Spaß, Schulprobleme oder auch den Kontaktverlust zu Freund:innen bei ihren Besucher:innen wahrgenommen haben.

Aufgrund der einschränkenden Regelungen war ein erheblicher Rückgang an Stammbesucher:innen zu verzeichnen, der die Einrichtungen herausgefordert hat, neue Formen der Angebote und Kontaktpflege zu erproben. So wurden digitale Angebote intensiviert, aber auch Aktionen im Sozialraum ausgebaut, verstärkt Gruppenangebote gemacht und individuelle Beratungs- und Unterstützungsleistungen angeboten. Die Befragungsergebnisse belegen, dass Einrichtungen, die intensiv den digitalen Raum genutzt haben, auch überdurchschnittlich neue Besucher:innen gewinnen und den Kontakt zu Stammbesucher:innen halten konnten. Einrichtungen freier Träger waren im digitalen Raum nachweislich aktiver.

Für die Zukunft bietet der zweite Zwischenbericht Empfehlungen, wie mit den Erfahrungen der Corona-Zeit umgegangen werden kann. Kinder und Jugendliche haben z. B. in der Pandemie kritisiert, nicht an Entscheidungen beteiligt gewesen zu sein. Mit der Untersuchung wurde gezeigt, dass auch in vielen Einrichtungen Partizipationsstrukturen ganz fehlen oder in der Krisenzeit ausgesetzt waren. Die OKJA ist also gefordert, diese Entwicklungsimpulse aufzugreifen, beispielweise im Hinblick auf die Förderung von Selbstorganisation, (digitale) Beteiligungsmöglichkeiten, hybride Arbeitsformen und eine verstärkte sozialräumliche Orientierung. Träger sind einzubeziehen, um die Qualifikation und Ausstattung dafür bereit zu stellen und die konzeptionellen Neujustierungen im Interesse der Kinder und Jugendlichen zu unterstützen.

Weitere Informationen, Ergebnisse und Publikationen zum Forschungsprojekt "Neustart OKJA NRW" auf der Website der Hochschule Düsseldorf.